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Die Untat zu Verden im Jahre 782

Zu Verden an der Aller, Da steh'n auf grüner Heid' Viel tausend Findlingssteine In langem Zug gereiht.

Sie weisen auf die Stätte Vor mehr als tausend Jahr, Wo Karl der Frankenkaiser Mit seinem Heerbann war.

Schon hatte er geschlagen Mit seiner Ritterschaft
Die heidnischen Germanen Und viele hingerafft.

Doch trotzten ihm die besten, Die weiter nordwärts steh'n, Die durch ihr Ahnenerbe Nicht in die Knie geh'n.

Wie sollt er sie bezwingen Mit neuem Glaubensgut ? Sie kämpften wie die Löwen Mit immer frischem Mut.

Er sammelt seine Räte, Befragt mit ernstem Sinn Die klügsten seiner Leute, Das brachte stets Gewinn

Sagt an, ihr hohen Herren, Was ratet ihr zu tun ?
Soll'n wir noch weiter streiten, Soll'n sie in Frieden ruh'n ?"

„Allgnädiglichster Kaiser," Beginnt der schlaue Rat, „So ladet sie doch alle zu einer Friedenstat!

Sie werden arglos kommen ohn' Schwert und ohne Spieß Zur Huldigung des Kaisers, Da Frieden er verhieß.

Habt ihr sie erst gefangen Nach Schmaus und edlem Wein, Sie rücklings hinzumetzeln, Wird euch ein Leichtes ein." -

Zu Rom im Vatikane, Da sitzt auf hohem Roß Der christlichste der Kaiser, Um ihn der Mönche Troß.

Von ihm wird man noch reden Die nächsten tausend Jahr', Daß er ein Lügenkaiser Und Sachsenschlächter war.

Gertrud Ohlenbusch
 

Olaf Tryggfason und Sigrid Storrada

Der weiße Winter kam über Norwegenland, Olaf Tryggfason warb um einer Königin Hand. Sigrid Storradas Augen waren blau wie der Fjord, Sigrid Storradas Herz hielt treu ihrer Väter Wort.

König Olaf sprach herrisch: "Mein sollst du sein,
du stolzes Nordlandkind, Priester, beug sie zur Taufe herab, sie ist mir zu hochgesinnt!"

Sigrid Storradas Augen wurden tief wie der Fjord: "Glauben der Väter halt ich als edelsten Hort!
Läßt du mich walten, dein will ich sein,
ich stolzes Nordlandkind, doch nimmer beugst du den Nacken mir, machst mich dem Götzen gesinnt!"


Olaf Tryggfason schlägt ihr ins Gesicht, in das stolze, klare, reine:
"Du schändliche Heidin, du runzliges Weib, ein Christ sich dir nie vereine!
Du lästerst den höchsten, den himmlischen Held, Jesus Christus, der mich zum Knechte bestellt!"

Sigris Storradas Antlitz glüht purpurn unter dem Schlag:

"Diese Schmach sollst du sühnen, König, an künftigem Tag!"

Sveinn von Dänemark warb um der Heidin Hand. Sigrid von Storrada ward Herrin von Dänenland.

Aus ihrem Herzen die brennende Schande nicht wich, jede Nacht ihre Hand über ihr Antlitz strich.

König Olaf fuhr durch den Sund mit prahlendem Sinn, seine Schiffe segelten stolz nach Wendland hin.
Wo die Insel Svöld mit den Wellen spielt, König Sveinn mit Mannen und Schiffen hielt...

Brüllender Kriegsruf! Todesschrei! Aufknattern Flammen-dann ist's vorbei. Vom brennenden Bug der König springt, ringsum die stolze Flotte sinkt.
Ein Balken stürzt nieder wie Flammenschweiftrifft des Königs Antlitz-ein feuriger Streif---

Sigrid Storrada! gurgelt sein Mund. Nordlands Rache! brennt es im Sund ------

Ilse Arnheiter
 

APOLL - POSEIDON

Sonne vermählt sich den wandernden Wellen, Spiegelung breitet ein Lichtmeer hin;
Wasser und Himmel verschmelzen im Hellen, Dein strahlendes Auge badet darin.

Durch perlmutterne Nebelschleier
Gleitet Dein gleißendes, schimmerndes Schiff; Zweifacher Steven gleicht Deiner Leier, Kufen am Kiel widerstehen dem Kliff.

Flammenden Hauptes, vom Lichte umloht, Funkelnde Tropfen auf Schultern und Arm, Führst Du von Schwänen geleitet Dein Boot, Folgst Deinem spielenden Tümmlerschwarm.

Sonnengott, Meergott seit ewigen Zeiten, Apoll und Poseidon in einer Gestalt, Wirfst Du Dein Licht durch unendliche Weiten, Bewegst Du die Meere und wirst niemals alt.

Befruchtest alljährlich die grünende Erde, Segnest das Leben im Wasser, am Land - Gewähre auch uns, daß Geborgenheit werde, Dein Maß, Dein Recht, Deinen Völkern Bestand!


DIETER VOLLMER


Ostara

Aus Winters Gewalt erwacht die Erde,
Erhebt sich in Herrlichkeit Hunderter Arten,
Grünend im Glanz der jungen Göttin,
Die aufsteht von Osten. Ostara heill!

Gewähre Wachstum und Wohlgedeihen,
Kraft deinen Kindern und klares Wasser.
Mit Frucht und Frieden und Freude erfüllt
Dein Atem die Erde. Ostara heill!
 

Ehre den Göttern und Göttinnen

Ich suchte den Gott, der wirkt und schafft,
der alles belebt durch der Sonne Kraft!
Ich suchte die Göttin, Mutter der Welt,
die Leben und Sterben in Händen hält,
die Herrin des Mondes, des Waldes, der Flur,
ich suchte sie in der großen Natur!
Hörte das Rauschen der Blätter im Wind,
sah, wie die Tiere des Waldes sind,
ich roch den Duft von Weißdorn und Linden,
fühlte die Kraft, die brach aus den Rinden!
Aus dem Ruf des Falken,
dem Knarren der Äste,
dem Zirpen der Grillen,
den Gesichtern an Bäumen,
den gestalten an Felsen,
den Wesen im Schatten
von Zwergen und Elfen,
aus all diesen herrlichen Dingen
hört' ich Ostaras Botschaft klingen:
"Sieh, Tier und Gras und Baum und Stein
lehren dich Liebe – Liebe zum Sein!"

Ich lernte zu schätzen Pilze und Beeren,
Kräuter zum Heilen als heilig zu ehren,
lernte sprechen mit Stein, Blume und Baum,
zu beachten Zeichen, Omen und Traum!
Lernte auch Runen, geformt aus Zweigen,
und solche, die bestimmten Wesen zu eigen,
begann zu vertrauen den Asen und Wanen
und lernte zu achten die Reihe der Ahnen.
Plagten mich Krankheit, Problem oder Fragen,
der großen Natur konnt' ich alles klagen.
Von Eiche und esche,
von Eibe und Buche,
von Ahorn und Schlehe,
von Tanne und hasel,
von Elfen und Zwergen,
von Kraftstein und Dolmen,
von Kiesel und Quelle
ward Antwort mir und Trost und Schutz,
habe oftmals diese Hilf' genutzt,
denn Tier und Baum und Gras und Stein
schenkten mir Liebe – Liebe zim Sein!

Doch einmal ging ich in den Wald,
fand prächtige Pappeln, mächtig und alt!
Da erwartete ich deren Kraft zu spüren,
doch an den Bäumen tat sich nichts rühren!
Enttäuscht ich auf die Pappeln sah,
ich schloß die Augen – doch nichts geschah!
Da hört' ich das Erdmutter-Lied in mir klingen,
begann es leise und dann laut zu singen,
ich weiß nicht, wie oft ich's wiederolte,
doch so ich den Göttern Ehre zollte!
Niemals vergiß, die Götter zu ehren,
der Natur und ihnen sollst du gewähren
Bitte und Dank,
Lob und Preis,
Achtung und Schutz,
Hege und Pflegem
Gebet und Opfer,
Sorge und Liebe,
vor allem Liebe!
Dann fühlst du die Göttin, den Gott, die Kraft,
die in den Welten das Seiende schafft!
Denn Tier und Baum und Gras und Stein
brauchen Liebe – unsere Liebe zum Sein!
 

Sonnenaufgang am See

Vor Morgengrauen ging ich aus dem Haus,
sprang ins wasser und schwamm weit hinaus!
Ich zog im See eine einsame Spur,
genoß die Stille im Schoß der Natur!
Die Sonne kam hinter den Hügeln hervor
und sandte die ersten Strahlen empor!
Ihrem Aufgang hab' ich still zugeschaut,
da hörte ich einen seltsamen Laut!
Hügel und Waser begannen zu schwingen,
als würden tausend Glocken klingen!
Doch war's nur EIN Ton, warm und tief!
War's die Sonne, die "Guten Morgen!" rief?
In goldenes Licht war die Welt gehüllt,
ich habe mich selbst nicht mehr gefühlt!
Ein goldener Punkt war ich nur im Raum! War es Wirklichkeit? Oder ein Traum?
ICH war NUR ICH – einen Augenblick!
Dann kam ich in den Alltag zurück!
Am Ufer fühlt' ich die Erde schwer!
Den Sonnenton – ich vermisse ihn sehr!
Doch wie klingt der Mond? Wie klingt die Erde?
Ob ich auch das einmal hören werde?
 

Tröstlicher Abend

Daß dies noch sein wird, wenn wir beide
entsunken und geborgen sind:
Der dunkle Wald in Sand und Heide,
geharft von einem großen Wind, -

die sanft getönten Himmelsbreiten,
der Mond in seiner hohen Pracht,
die Flut im Wandel der Gezeiten,
der Pendelschwung von Tag und Nacht,-

das Ackerfeld in Saat und Garbe,
der Furchen quellend frischer Zug
in Herbst und Frühling, und die Narbe
des Steins, der schon Äonen trug...

Und dieses noch: ein Dach und Wände,
der schweigende Geschlechterschoß;
und einer jungen Mutter Hände,
noch kaum zu denken, namenlos

und zart um Kinderhaupt geschlossen,
das uns vergaß - und doch ... im Blut
dem Ahnen fromm zu Licht entsprossen,
daß dies noch sein wird, das ist gut!


Gerda von Below
 

Mutspruch

Schlagen
ist besser als Tragen!
Kampf ist zum Siege die Saat!
Wagen
ist besser als Zagen -
Unheil bannt einzig die Tat!

Ringen
nur führt zum Gelingen,
Härte, noch härter als Stahl!
Schwingen
des Glaubens vollbringen
Aufflug aus Dunkel und Qual!

Halten
wir den geballten
Willen, der Berge versetzt -
Walten
ob uns die Gestalten
krönender Freude zuletzt.


Heinrich Anacker
 

Roßlied

Als edelstes acht´ ich von allen Tieren
Des Reiters Ruhm, das Roß.
Gleich ihm gaben die Götter nie
Gefährten und Freund den Völkern.

Voll Stolz und Stärke streift es umher,
Dem Winde verwandt und dem wehenden Geist,
Durchwandert die Welt mit wachem Blick
Und findet in Finsternis noch festen Pfad.

Von einer Art mit dem Höchsten der Asen,
Ehrten die Ältesten dich, Roß, als Ahn.
Weise weissagten aus deinem Wiehern
Und brachten dein Blut als bestes den Göttern.

Wodan, dem Wanderer, bist du geweiht
Und dem Erbe der Alten.
Führe mich fort in ferne Höhen
Und heil wieder heim.
 

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