:: Navigation

:: Werbung









1 Besucher online
Gedichte der Alten Zeit

Gedichte der Alten Zeit
 

Der gute Kamerad

Ich hatt' einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen;
Gilt's mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär's ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad':
Kann dir die Hand nicht geben;
Bleib du im ew'gen Leben,
Mein guter Kamerad!

(Ludwig Uhland)

 

Der Tod fürs Vaterland

Du kömmst, o Schlacht! schon woogen die Jünglinge
Hinab von ihren Hügeln, hinab in's Thal,

Wo kek herauf die Würger dringen,
Sicher der Kunst und des Arms, doch sichrer

 

Kömmt über sie die Seele der Jünglinge,
Denn die Gerechten schlagen, wie Zauberer,

Und ihre Vaterlandsgesänge
Lähmen die Kniee den Ehrelosen.

 

O nimmt mich, nimmt mich mit in die Reihen auf,
Damit ich einst nicht sterbe gemeinen Tods!

Umsonst zu sterben, lieb' ich nicht, doch
Lieb' ich, zu fallen am Opferhügel

 

Für's Vaterland, zu bluten des Herzens Blut
Für's Vaterland - und bald ist's gescheh'n! Zu euch

Ihr Theuern! komm' ich, die mich leben
Lehrten und sterben, zu euch hinunter!

 

Wie oft im Lichte dürstet' ich euch zu seh'n,
Ihr Helden und ihr Dichter aus alter Zeit!

Nun grüßt ihr freundlich den geringen
Fremdling und brüderlich ist's hier unten;

 

Und Siegesboten kommen herab: Die Schlacht
Ist unser! Lebe droben, o Vaterland,

Und zähle nicht die Todten! Dir ist,
Liebes! nicht Einer zu viel gefallen.

 

 

Die scheinheiligen Dichter

Ihr kalten Heuchler, sprecht von den Göttern nicht!

Ihr habt Verstand! ihr glaubt nicht an Helios,

Noch an den Donnerer und Meergott;

Todt ist die Erde, wer mag ihr danken? -

 

Getrost ihr Götter! zieret ihr doch das Lied,

Wenn schon aus euren Nahmen die Seele schwand,

Und ist ein großes Wort vonnöten,

Mutter Natur! so gedenkt man deiner.

 

Götter wandelten einst...
Götter wandelten einst bei Menschen, die herrlichen Musen
Und der Jüngling, Apoll, heilend, begeisternd wie du.
Und du bist mir, wie sie, als hätte der Seeligen Einer
Mich ins Leben gesandt, geh ich, es wandelt das Bild
Meiner Heldin mit mir, wo ich duld' und bilde, mit Lieb
Bis in den Tod, denn diß lernt' ich und hab' ich von ihr.

Laß uns leben, o du mit der ich leide, mit der ich
Innig und glaubig und treu ringe nach schönerer Zeit.
Sind doch wirs! und wüßten sie noch in kommenden Jahren
Von uns beiden, wenn einst wieder der Genius gilt,
Sprächen sie: es schufen sich einst die Einsamen liebend
Nur von Göttern gekannt ihre geheimere Welt.
Denn die Sterbliches nur besorgt, es empfängt sie die Erde
Aber näher zum Licht wandern, zum Aether hinauf
Sie, die inniger Liebe treu, und göttlichem Geiste
Hoffend und duldend und still über das Schicksaal gesiegt.


 

  

 

Odins Gruß

Hell ward der Abendhimmel. Hehr wie ein Traumgesicht
Stund Walhalls Götterfreude verklärt im letzten Tageslicht.
Da grüßte er die Menschen: „O ihr, in Not gebunden!
Niemals soll euch verlöschen das Leuchten hoher Stunden,
Da Walhalls Zinnen Strahlen und Männerglaube Schwört,
Das diese Welt dem Helden, das sie dem guten Gott gehört!“

Eberhard König (aus „Herodes Ritt“´
 

Die Bürgschaft

Friedrich Schiller (1759-1805)

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich Damon, den Dolch im Gewande; Ihn schlugen die Häscher in Bande. „Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!" Entgegnet ihm finster der Wüterich.
„Die Stadt vom Tyrannen befreien!" „Das sollst du am Kreuze bereuen."


„Ich bin", spricht jener, „zu sterben bereit Und bitte nicht um mein Leben;
Doch willst du Gnade mir geben, Ich flehe dich um drei Tage Zeit, Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit; Ich lasse den Freund dir als Bürgen - Ihn magst du, entrinn ich, erwürgen."


Da lächelt der König mit arger List Und spricht nach kurzem Bedenken: „Drei Tage will ich dir schenken. Doch wisse: wenn sie verstrichen, die Frist, Eh du zurück mir gegeben bist,
So muß er statt deiner erblassen, Doch dir ist die Strafe erlassen."


Und er kommt zum Freunde: „Der König gebeut, Daß ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben;
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit, Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit. So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme, zu lösen die Bande."


Und schweigend umarmt ihn der treue Freund Und liefert sich aus dem Tyrannen,
Der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint, Eilt heim mit sorgender Seele, Damit er die Frist nicht verfehle.


Da gießt unendlicher Regen herab, Von den Bergen stürzen die Quellen, Und die Bäche, die Ströme schwellen. Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab - Da reißet die Brücke der Strudel hinab,
Und donnernd sprengen die Wogen Des Gewölbes krachenden Bogen.


Und trostlos irrt er an Ufers Rand; Wie weit er auch spähet und blicket Und die Stimme, die rufende, schicket - Da stößet kein Nachen vom sichern Strand, Der ihn setze an das gewünschte Land, Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.



Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht, Die Hände zum Zeus erhoben:
„O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht Die Sonne, und wenn sie niedergeht Und ich kann die Stadt nicht erreichen, So muß der Freund mir erbleichen."


Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut, Und Welle auf Welle zerrinnet,
Und Stunde an Stunde entrinnet.
Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut Und wirft sich hinein in die brausende Flut Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.


Und gewinnt das Ufer und eilet fort Und danket dem rettenden Gotte; Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubet Mord Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.


„Was wollt ihr?" ruft er für Schrecken bleich, „Ich habe nichts als mein Leben,
Das muß ich dem Könige geben!"
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich: „Um des Freundes willen erbarmet euch!" Und drei mit gewaltigen Streichen
erlegt er, die andern entweichen.


Und die Sonne versendet glühenden Brand, Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Knie:
„O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land, Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!"


Und horch! da sprudelt es silberhell Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen, Und stille hält er, zu lauschen;
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell, Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell, Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.


Und die Sonne blickt durch der Zweige grün Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten,
Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn, Will eilenden Laufes vorüber fliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
"Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen."


Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß, Ihn jagen der Sorge Qualen;
Da schimmern in Abendrots Strahlen Von ferne die Zinnen von Syrakus, Und entgegen kommt ihm Philostratus, Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennt entsetzt den Gebieter:


„Zurück! du rettest den Freund nicht mehr, So rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet' er Mit hoffender Seele der Wiederkehr, Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben."


„Und ist es zu spät und kann ich ihm nicht Ein Retter willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blut'ge Tyrann sich nicht,
Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht - Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue."


Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor, Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor: „Mich, Henker!" ruft er, „erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!"


Und Erstaunen ergreifet das Volk umher, in den Armen liegen sich beide
Und weinen für Schmerzen und Freude. Da sieht man kein Auge tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär; Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen.


Und blicket sie lange verwundert an, Drauf spricht er: „Es ist euch gelungen, Ihr habt das Herz mir bezwungen,
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn - So nehmet auch mich zum Genossen an.
Ich sei, gewährt mir die Bitte, In eurem Bunde der Dritte."
 

Des Nordens Heimatglaube

Nicht aus fremdem Land kam unser Glaube: Denn er stammt aus unserm eignen Land. Alle Liebesfreuden, alle Todesschmerzen sind in diesem Glauben eingebrannt.


Einst kam her ein fremder Glaubenskünder, schlug die Eiche Donars        um mit Söldnerhand; nannte uns vor Gott die "armen Sünder"
hat sich dann zu anderm Stamm gewandt.


Dort im Norden Volkes Zorn in schlug, harte Friesen machten ihm garaus;
weil des Volkes Wille Frevler nicht ertrug, wiesen sie ihn hin von Haus zu Haus.


Bis er an den Hof von Reetdach kam, und der Bauersfrau zu nahe trat;
und der Hofherr blutig Rache nahm und bekannte sich zu seiner Tat.


Heidnisch blieben wir, und heidnisch sind die Götter, welche unsern Sinn geleiten durch die Welt; fürchten solln sich fremde Spötter,
wenn Thors Hammer ihre Häupter fällt.

Erwin Klein


Hroald, der Heide von Godey


Höret voll Scham die Kunde
von Hroald, dem blonden Heiden, er schwor bei seinen Göttern, lieber den Tod zu leiden,
als gebrochen zum Kreuz zu kriechen,
zu dem Heiland der Schwachen und Siechen.


Olaf und seine Sippe,
Bischof, Priester und Knechte ziehen mordend im Land umher, mit ihnen Gott der Gerechte!
Im Dunkel der Wälder lebt ungebrochen, wer noch nicht zu Kreuze gekrochen.


Hroald, der Treue, in Fesseln, schaut auf den König voll Haß: "Eh ich mich taufen lasse,
gib mich den Wölfen zum Fraß! Nimmer werd ich zum Kreuze kriechen zum Heiland der Schwachen und Siechen!"


Auf Godeyberg im Morgenwind hängt am Galgen im weißen Haar Hroald, der Heide, mit starrem Blick, der der Heimat Getreuster war.
Durch Strick und Feuer starb ungebrochen, wer noch nicht zu Kreuze gekrochen.....


Ilse Arnheiter
 

Wodans Ritt

„Aus den Eutern der Wala trank ich die warme Milch, Wegzehrung zu sein auf dem langen Ritte
vom Asenheime zu Helas Reich.
Neun Tagrasten flog ich in einer Nacht,
Des Nordlichts Schwerter zuckten am Himmel auf Und wiesen mir lodernd den Pfad, -
Windkalte Wege weiß ich in Weiten der Welt! Eisströme wälzten die Schollen im Nordmeer, Eisberge stürzten zusammen, es stauten die Zacken, Aus Tiefen des Walmeers tauchten die Wunder auf, Und brausend wehten die Winde von Mitternacht.


Meine Donner rollten vom Romsdalhorne zum Yth, Da ich über Norge ritt,
Harsthörner hallten den tiefen Todesschrei, Die dunkele Mähne der Berge wallte Unter den Hufen des Rosses;
Grauhunde heulten hinter den Hufen des Rosses, Weißlicher Nebel näßte die Wipfel,
Und der Schweiß des Pferdes Floß meine Schenkel herab. Aus seinen Nüstern der Rauch hing mir im Bart, Glitzernder Reif.


Tief drunten röhrten die Elche im Winterwald, Und heulten die Wölfe, -
In Eierschalen kochte der Köhler Bier Zur Zehr meinen Hunden,
Im Nebel-Lichte winkten sich reifkalte Felsen zu, Da ich darüber ritt den nassen Weg.
So kam ich zum Ende der Welt.
Wild heulte der Hund in der Hela-Klamm, Am Hals meines Pferdes herauf,
Wie Säulen bäumten sich Schlangen, Und vom Gewölbe herab
Hingen die Wurzeln der Weltenesche.
Da sang Wodan der Wala den Weckgesang Und klopfte mit dem Knaufe des Zauberzweiges Und murmelte mächtige Worte.
Börries

Börries von Münchhausen
 

Uralte Sage verkündet:

Daß am Ende der Tage, um das Maß an Schuld und Geschick grauenvoll zu erfüllen,
der Fenriswolf losbricht mit schnaubender Wut, die Midgardschlange sich aufbäumt,
alles verpestend mit ihrem Gifthauch, die entfesselte Macht der Tiefe
in lodernden Feuern emporbricht,
das ruhelose Menschengeschlecht vernichtend, zertrümmernd das heilige Reich der Götter, daß nichts bleibt als berstender Fels
und kochende See, und die Welt erzittert im flammenden Aufruhr des Untergangs.


Bis einst, fern, fern,
die tosenden Wogen sich glätten, die Donner verstummen,
die bebende Erde ihr Antlitz wieder erhebt in das milde Licht eines neuen Tages
und zag wieder zu grünen beginnt. Bis ein junges Geschlecht
die Arme erhebt, Segen erflehend, und göttlichen Frieden endlich, endlich,
auch das irdische Dasein verschönt.

Ursel Peter
 

nach oben





© Copyright 2002 by Oikrach

Failed loading D:\Programme\Zend\ZendOptimizer-3.2.2\lib\ZendExtensionManager.dll