Presse und andere Medien über Oikrach
Presse und andere Medien über Oikrach
Aus dem Buch von Reiner Fromm "Rechtsextremisten im Internet"
die neue Gefahr
Oikrach ist eine weitere professionelle Skinhead-Seite, auf
der sich neben neuheidnisch-rechtsextremer Ideologie ein Gästebuch, ein Forum
und eine große Auswahl von Netzverweisen befinden. Als eine der wenigen
Szene-Homepages liefert „Oikrach" einen Überblick über die Geschichte der
eigenen Homepage:
„Die Oikrach-Seite gibt es seit dem 13.1.1999. Am Anfang war meine Seite noch
bei XOOM, wo sie leider nur 3 Wochen online war. Danach zog ich mit meinen
Seiten zu Webjump, wo sie ebenfalls nur 8 Wochen bleiben durften. Leider wurden
die Seiten oft vom Server gelöscht. Da die Seiten ständig gelöscht wurden und
ich mir immer wieder neue Adressen zulegen musste, hatte ich es satt, und legte
mit eine Weiterleitungsadresse bei
come.to
zu. Da meine Seiten aber angeblich zum Rassenhass aufrufen würden, wurde mir
auch diese wieder genommen. Am 03.02.2000 hatte ich unerwünschten Hausbesuch
wegen meiner HP (=Homepage - die Autoren), es wurden 2 PC/s und alles was ich an
CD/s hatte mitgenommen. (...) Da sich dadurch immer wieder meine Adresse
änderte, sah ich mich gezwungen, mir eine feste Domain zuzulegen, damit
wenigstens meine Adresse die gleiche bleibt!"
Inzwischen ist die Domain in den
USA angesiedelt. Als Kontaktadresse dient ein Postfach in Halle, als
Ansprechpartner für Verwaltungsfragen wird mit derselben Postfachadresse Thomas
Richter genannt.
Inhalt der Homepage sind „Grundlagen der nordisch-heidnischen
Schöpfungsgeschichte", Runenkunde und selbst eine Rezeptur zur Erstellung des
germanischen Göttertrankes Met. Neben uralter Tradition vermittelt die Seite in
eigenen Rubriken auch praktische Tipps für die Szene wie „Verhalten bei einer
Hausdurchsuchung" oder „Was ist § 86a". (Stand: 26.9.2000)
Im„ Nationalen Forum" von Oikrach besprechen Rechtsextremisten
ihre Erfahrungen bei Hausdurchsuchungen oder tauschen sich mit gleich gesinnten
Gamern aus, die für gemeinschaftliche Ego-Shooter-Nächte mit dem Videospiel „Suddenstrike"
Mitspieler suchen. (19.9.2000)
Links setzt„ Oikrach" zur„ Heidnischen Front", „International
Knights of the Ku-Klux-Klan: Realm of Germany", „Bündnis Rechts", „Radio
Wolfsschanze", „Siegener Bärenstunn", acht internationalen „Blood & Honour"
Adressen, „Nationaler Widerstand" und dem„ NPD Kreisverband Dresden" (Stand:
26.9.2000)
„Freyja 88
Zu den
wenigen neonazistischen Skinhead-Seiten, die von einer Frau betrieben werden,
gehört die Homepage „Freyja 88", die seit August 1999 online ist. Auf ihrer
Homepage porträtiert die Aktivistin unter anderem den rechtsradikalen „Bund
Heimattreuer Frauen", „ein Zusammenschluss junger Frauen, die in den Bereichen
des germanischen Brauchtums und des Heimatschutzes aktiv sind." Selbstbewusst
schreibt die Gruppe:
„Es ist
eine schöne Redensart, dass die Frau dem Mann den Rücken im Kampf ums Vaterland
freihalten soll. Doch, wo sind die Männer? Wenn der Mann nicht aktiv wird, muss
die Frau wohl selbst diesen Kampf antreten." Die Organisation hat ihre
Kontaktadresse in Köln. Außerdem stellt sich auf der Homepage der
neonazistischen Sanitätsdienst vor.
Insgesamt
gilt die Aktivität von „Freyja 88" weniger der ideologischen Schulung als der
logistischen Vernetzung der Szene. Ihre Netzverweise führen in die gesamte
rechtsextremistische Szene wie zur„ Heidnischen Front", „Saccara", „14 Words
Press" und „Radio Germania". Weitere Links setzt die Homepage zu kommerziellen
Vertrieben wie „Rock Nord", „Ressistance Records", „Panzerfaust Records" und dem
rechtsextremen „K.d.F.-Versand" (Stand: 19.09.2000), der eine Postfachadresse in
Pulsnitz als Kontakt angibt und dessen Domän-Inhaber Gunter Lotze aus Ohom ist.
Gemeinsam
mit den rechtsextremistischen Szene-Homepages „Oikrach" und „ Templers Reich"
erstellt „Freyja" seit Anfang des Jahres 2000 eine „Combat-Germania
Weltnetz-Kooperation", die ihre Seiten „zusammenschließen" mit dem Ergebnis,
dass alle drei Web-Seiten über eine Adresse erreichbar sind. Ziel ist es,
„ausgesuchte Seiten mit national-relevantem Inhalt zu vereinen und
Kameradschaften zu stärken." (Stand: 1.10.2000)
Templer
Templer's Reich
Die dritte
Seite in der „Combat-Germania Weltnetz-Kooperation" heißt „Templer's Reich" und
startet mit dem markigen Spruch: „In meinem Reich gelten meine Gesetze und wer
diese bricht, beginnt einen Krieg!!!"
In der
Rubrik „über diese Seite" beschreibt der Neonazi mit dem Nic Namen „Templer"
seine Internet-Aktivität als Teil einer virtuellen Kriegsführung:
„Die Zeiten von Straßenkämpfen und ähnlichen Aktivitäten sind vorbei. Der Kampf,
der Überlebenskampf, am Computer hat begonnen. Viele sperren sich dieser
Tatsache noch und werden auf kurz oder lang auf der Strecke bleiben."
Die Homepage legt ihren Schwerpunkt auf rechte Verschwörungstheorien und
thematisiert Illuminaten, Freimaurer, die Templer, Theosophie, Geheimdienste
sowie UFOs. (Stand: 1.10.2000)
Die Seite bietet Diskussionsboards zur „Sicherheit in der Computerwelt", „Illuminaten
und Verschwörungen" und„ Oikrachs Nationalisten Board". Links setzt der
„Templer" zu Frank Rennicke, „Nachrichten Informationen Theorie" von Andre
Goertz und zum „Ewert Verlag" oder zur Webseite „Germanisches Leben", hinter
der sich eine Gruppe verbirgt, die mit dem Motto: „Unser Vorbild - Hermann der
Cherusker" auftritt.
Quelle: Das Buch von Reiner Fromm "Rechtsextremisten im
Internet" die neue Gefahr
Virtuelle Bündnisse
Von Rudolf Kleinschmidt
Rechtsextreme Homepages
sind zunehmend über so genannte Portalseiten ins Netz eingebunden. Verschiedenen
neonazistischen Gruppierungen wird dabei Platz zur Selbstdarstellung eingeräumt.
Eine gemeinsame Startseite
von mehreren Homepages, eine sogenannte Portalseite, aus dem Sammelsurium der
Internetseiten von Neonazi-Skins ist seit Mitte Juli unter dem Namen „Combat
Germania Weltnetz Kooperation“ (CG WK) mit einem anonym in den USA registrierten
Domainnamen online. Der potenziell für weitere Neonazi-Seiten offene virtuelle
Zusamenschluss eint die Internetseite von „Oikrach – Die Götterseite“, „Templer’s
Reich der nationalen Sicherheit“ und „Freyja88’s kleines Reich“.
Erst jüngst scheiterte eine
andere, als „White Power Portal“ von Schweizer Skinheads konzipierte
Portalseite. Dafür verantwortlich waren die Betreiber der Schweizer
Skinhead-Seite „Saccara“, die auf den 21-jährigen Stefan Wegmann registriert
ist. Neben einschlägigen Internetseiten wie „Das3Reich“, „Skinheadxx“ oder
„Blutbad88“ sowie Dateien einer der größten Naziskinseiten im Internet, „White
Power MP3“, wurde dort auch auf die Seite von „Freyja88“ verlinkt, einer aus
Köln stammenden Rechtsextremistin aus dem Skinhead-Milieu, deren Homepage nun
als Mitglied der „Combat Germania Weltnetz Kooperation“ (CGWK) über eine andere
Portalseite im Netz eingebunden ist. „Freyja88“ und der sich im Internet „HJTommy“
nennende Betreiber von „Oikrach“ zählen zu den wenigen im Netz aktiven
Rechtsextremisten, von denen sich regelmäßig Beiträge in zahlreichen
Gästebüchern und Foren anderer rechtsextremer Internetseiten finden. Die
Einträge beginnen oftmals mit einem szenetypischen „Heil dir“, „HJTommy“ endet
bisweilen mit potenziell strafrechtlich relevanten Formeln wie „14/88“.
Die eigentlichen
Internetseiten liegen jeweils bei diversen ausländischen Anbietern von
kostenlosem Webspeicherplatz. Als einziger von ihnen verfügt „Oikrach“
zusätzlich über einen eigenen Domainnamen, der auf eine Postfachadresse in Halle
registriert ist. Zudem ist zumindest dieser Seitenbetreiber den Behörden bekannt
- eigenen Angaben zufolge kostete ihn eine Hausdurchsuchung am 3. Februar beide
Computer sowie sämtliche seiner CDs. Auch bei der bisherigen Auswahl von
Anbietern von Gästebüchern und Foren hatte „HJTommy“ wenig Glück: „Am 10.04.2000
ist mir mein Gästebuch mit über 500 Einträgen gelöscht worden ohne Grund, auch
mein Forum war ein Tag später weg, mein neues Gästebuch und Forum von
all4free.com wurde 5 Tage später auch gelöscht...“.
Laut Eigendarstellung dient
die Portalseite dazu, „ausgesuchte Seiten mit national relevantem Inhalt zu
vereinen und Kameradschaften zu stärken.“ Dafür wie für das Organisieren der
rechten Szene plädiert „Freyja88“ auch auf ihrer Internetseite, ebenso wie bei
diversen Einträgen in rechtsextremen Gästebüchern. Unter anderem fordert sie
dazu auf, Veranstaltungen zu besuchen und wirbt dabei explizit für die
Internetseiten des „Nationalen Infotelefons“ (NIT), für das „Bündnis Rechts“
sowie für den „Deutschen Freundeskreis Schwaben“ (DFS) des einschlägig bekannten
Dennis Entenmann. Auf ihren Internetseiten schlägt „Freyja88“ zudem vor,
Propagandamaterial über den DFS zu beziehen – diese Materialien werden
hergestellt beim Hagener RK Druck und Vertrieb des 1951 geborenen Neonazis
Rüdiger Kahsner.
Platz für eine
Selbstdarstellung innerhalb der Homepage wird dem „Braunen Kreuz“ eingeräumt,
einem 1998 aus dem Umfeld des so genannten „Nationalen Widerstands“, der NPD und
dem „Skingirl Freundeskreis Deutschland“(SFD) entstandenen „nationalen
Sanitätsdienst“, der sich im Internet ein Gästebuch mit den „Freien
Nationalisten Bremen“ teilt. Die Verbindungen zu den „Kameradschaften“ lassen
sich auch an der aus dem SFD kommenden Cathleen Grewe zeigen, die als Kopf der
Gruppe gilt, die über ein Postfach im mecklenburg-vorpommerischen Boitzenburg zu
erreichen ist. Ebenfalls dort ansässig ist der FSN-Zentralversand von Michael
Grewe, der zu den Kontaktpersonen des neonazistischen „Aktionsbüros
Norddeutschland“ um Christian Worch zählt. Dass Grewe nicht nur mit
Neonazi-Devotionalien handelt, zeigte sich bei einer Hausdurchsuchung 1997.
Damals fand die Polizei bei ihm eine Maschinenpistole, einen Karabiner, zwei
Pistolen und über 1000 Schuss Munition.
Raum bietet „Freyja88“ auch
dem „Bund heimattreuer Frauen“ (BhF), zu dessen Köpfen sie zählt und der im
wesentlichen personenidentisch sein dürfte mit der im Ruhrgebiet aktiven
„Nationalen Weiber-Aktionsfront“ (NAWF). Laut Eigendarstellung handelt es sich
beim BhF um einen „Zusammenschluss junger Frauen, die in den Bereichen des
germanischen Brauchtums und des Heimatschutzes tätig sind“.
Eines der Hauptelemente der
Internetseite von „Oikrach“, der auch deutsche Soldatenlieder, eigene „Gedichte“
und germanophiles „Neuheidentum“ ins Netz gestellt hat, ist das gemeinsam mit
„Templer“ betriebene „Nationale Forum“, in dem rassistische Einträge ebenso
ihren Platz haben wie Hinweise auf den Bezug der Reichskriegsflagge mit
Hakenkreuz (samt Hinweis auf die Internetseiten der NSDAP-AO). Zudem gibt es
Diskussionsbeiträge über WPMP3, deren kompletter Bestand an brauner Musik zum
Download von dem betroffenen Anbieter von Webspeicherplatz gelöscht wurde. Bei „Oikrach“
findet sich auch ein Link zu „Odins Lounge“, eine der diversen Internetseiten,
über die rechte Musik im MP3-Format weltweit zum Download bereitsteht. Weitere
Links führen zu den Internetseiten der „Berlin-Brandenburger Zeitung“ (BBZ) um
den Neonazi Frank Schwerdt sowie zu diversen Internetseiten des Blood&Honour-Netzwerks
oder des KuKluxKlan.
n „Stärkung von
Kameradschaften“ n
Bei der „Templer“-Homepage
beschwört man dann die finsteren Mächte. Zwar ist der „Templer“ Mitbetreiber des
„Nationalen Forums“ und propagiert auf seinen Seiten die Nutzung von
Diskussionsforen als „Werkzeug des nationalen Widerstands“. Dominiert wird das
Seitenangebot derzeit jedoch von den „Geheimwissenschaften“ und diversen Texten
über die Illuminaten, die Templer und die Theosophie. Unter der Rubrik
„Freimaurer“ wird umfangreich aus dem in Deutschland verbotenen Buch
„Geheimgesellschaften“ von Jan van Helsing zitiert. Weitere, derzeit noch
ungefüllte „Wissensquellen“ sind über Rosenkreuzer, das Engelswerk oder über
„Kulte, Führer, Lichtgestalten“ vorgesehen. Entsprechend dazu verlinkt der
„Templer“ auch auf ein Forum, in dem über „Verschwörungstheorien“ diskutiert
wird. Noch in Planung ist auch ein Bereich Technik, der sich mit Hacken,
Internetsicherheit und der Heimseitenerstellung beschäftigen soll. Denn laut
„Templer“ hat der „Kampf, der Überlebenskampf, am Computer ... begonnen“ - die „Combat
Germania Weltnetz Kooperation“ scheint ihm dazu ein Schritt zu sein.
http://www.bnr.de/aktuell/aktext2.htm
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Datum:
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03.08.2000
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Ressort:
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Medien
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Autor:
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Marc Mascher
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Tipps für Kameraden
Die Politik hat den Rechtsextremismus im Netz
entdeckt. Doch den gibt es seit den achtziger Jahren
Es war Thema der letzten Christiansen-Sendung.
Ende Juni gab es in Berlin einen Kongress. Der Verfassungsschutz meldet einen
sprunghaften Anstieg einschlägiger Webseiten. Wolfgang Thierse fordert neue
Gesetze, Justizministerin Däubler-Gmelin hält die bestehenden für ausreichend.
Und das ZDF zeigte gestern Abend eine schon im Vorfeld viel beachtete
Dokumentation, zur besten Sendezeit. Keine Frage: Das Thema Rechtsextremismus im
Internet hat, zumal angesichts der nicht abreißenden Welle einschlägiger
Gewalttaten, alle Chancen, das diesjährige Sommerloch zu stopfen. Zuletzt
forderte Cornelie Sonntag-Wollgast, Parlamentarische Staatssekretärin im
Innenministerium, am Dienstag via Tagesschau gar alle Netz-Nutzer auf, so
genannte "Hass-Seiten" den Behörden zu melden.
Am Problem vorbei
Der plötzliche Aktionismus erstaunt -
schließlich reicht die Geschichte rechtsextremer Umtriebe im Netz bis in die
Mailbox-Szene zurück. Seit 1993 bereits existiert das so genannte Thule-Netz,
seit 1996 ist es auch mit einer Webseite im Internet, zuletzt unter dem
Codenamen "Garfield". Die aktuellen Aufrufe gehen also am Problem vorbei: Denn
die einschlägigen Angebote sind bekannt.
Bei der Berliner Konferenz zum Thema "Hass im
Internet" legte das Simon Wiesenthal Zentrum seine neue CD-Rom "Digital Hate
2001" vor - mit mehr als 2 000 einschlägigen Adressen weltweit. In der
ZDF-Dokumentation "Hass und Propaganda - Rechtsextreme im Internet" sprach ein
Mitarbeiter des baden-württembergischen Landesamtes für Verfassungsschutz von
"knapp 400" deutschen Seiten mit rechtsextremistischen Inhalten.
Tatsächlich reicht eine Adresse, um sich einen
Überblick über rechtsextreme Umtriebe im Netz zu verschaffen. Es handelt sich
dabei um das nach unseren Recherchen größte Linkverzeichnis der rechten Szene in
Deutschland. Das Verzeichnis dieser Seite, die eine deutsche Länderkennung
führt, was in der Szene selten ist, umfasst derzeit 359 Links.
Dabei sehen Nutzer, die www.der-weisse-wolf.de
ansteuern, zunächst einmal nichts als eine leere Seite. Zur Linkliste gelangen
nur Eingeweihte - über eine manuelle Verlängerung der Adresszeile. Auf der neuen
Seite ploppt dann zunächst ein Infokasten auf: Dieser zitiert ein Urteil des
Landgerichts Hamburg vom 12. Mai 1998, wonach Netz-Anbieter schon durch die
Anbringung eines Links gegebenenfalls die Inhalte der "gelinkten" Seite mit zu
verantworten haben - es sei denn, sie distanzieren sich ausdrücklich davon. Das
tun die Betreiber des Angebots natürlich leichten Herzens und noch im selben
Kasten.
Kaum hat man den weggeklickt, darf man "www.der-weisse-wolf.de"
dann zu den "Top 88 rassistischen Seiten" des Internets wählen. Die Zahl 88, die
auch in vielen der im Folgenden aufgelisteten Adressen wie "Bulldog88",
"Freyja88" und "Clockwork88" und auch den Seiten selbst wieder auftaucht, steht
in der rechten Szene für den achten Buchstaben des Alphabets, also HH - Heil
Hitler.
Das Problem ist also nicht, die Seiten zu
finden, das Problem ist der Infokasten - also die fehlende rechtliche Handhabe
gegen den Inhaber der Adresse, laut Denic ein gewisser David P. aus Blumenholz,
der sehr genau weiß, was er tut und nach geltender Rechtslage tun darf.
Selbst wenn er das nicht wüsste, müsste er in
seiner eigenen Linkliste einfach eine Adresse namens "Oikrach" anklicken. Dort
erzählt der Betreiber, laut dem Domain-Verwalter Network Solutions ein Thomas R.
aus Halle in Sachsen-Anhalt, die Geschichte seiner Webseite - die nahe legt,
dass er bei den Behörden kein unbekannter ist. Unter anderem erwähnt er eine
Hausdurchsuchung im Februar 2000.
Seine Webseite kann er aber offenbar
weiterbetreiben. Dort gibt er seinen "Kameraden" weiter Tipps, wie sie das Netz
als "Werkzeug des Nationalen Widerstandes" für ihre Zwecke agitatorisch nutzen
können - etwa in den Chat-Foren von FDP, SPD, CDU, "Spiegel" und "Stern" - auf
die er alle Links gesetzt hat. Bei der Diskussion "Stoppt den braunen Mob" im
Forum von "stern.de", freut sich der Autor, hätten sich im Juni "ca. 30
Kameraden" beteiligt und einen "vorbildlichen Zusammenhalt" gezeigt. Für
künftige Online-Diskussionen liefert Oikrach dann ein paar Verhaltenstipps:
"Keine Cookies akzeptieren, keine Verweise auf andere Seiten legen (erst recht
nicht auf unsere)". Und wenn die Botschaften dennoch einmal zurückverfolgt
werden können, lässt der Betreiber seine Besucher an seinem ganz persönlichen
Erfahrungsschatz teilhaben: "Was tue ich, wenn der Vater Staat mich besuchen
will?" - es folgen Verhaltensregeln für Hausdurchsuchungen.
Oikrach ist nur ein Beispiel für das
eigentliche Problem - das über die derzeitige Diskussion weit hinausreicht.
Viele rechtsextreme Netz-Nutzer sind den Behörden inzwischen einfach zwei
Schritte voraus. Zwar geben sie sich auf ihren Seiten deutschtümelnd, rückwärts
gewandt, sprechen konsequent von "Heimseite", "E-Post", "Netzmeister" und nennen
Links "Verweise". Technologisch sind sie aber auf neuestem Stand.
Nationalist oder Skinhead?
So haben Oikrach, Freyja88 und "der Templer"
Anfang des Jahres die "Combat Germania Weltnetz Kooperation" gegründet, ein
"Portal" dessen Banner in den Farben der Reichskriegsflagge gehalten ist. Bei
Oikrach gibt es zuallererst ein Pop-up - wie es auch bei E-Commerce-Angeboten
gerade en vogue ist - allerdings hier mit der Frage, ob man sich als Nationalist
oder Skinhead einordnet. Der eigene Chat, das "Nationale Forum", ist moderiert -
Einträge wie es müsse "Blut fließen" werden gelöscht, worüber sich Nutzer wie "Volkstroi"
prompt bitter beschweren. Fast überall gibt es MP3s mit "deutschem Liedgut".
Viele Seiten nutzen so genannte "Re-Router" wie "TSX", die Teile der eigenen
Adresse (wie die Länderkennung) verschleiern und einen schnellen Adress-Wechsel
möglich machen. Und natürlich hat die Szene mit "Klick Heil" auch schon einen
eigenen Webring - auch dabei lassen sich die Teilnehmer übrigens problemlos
nachvollziehen.
Die Politik diskutiert derweil weiter über das
Problem, die inkriminierten Seiten ausfindig zu machen. Dabei war man im Juni
schon einmal weiter: Auf der Berliner Konferenz forderten Bundespräsident Rau
und Justizministerin Däubler-Gmelin jedenfalls, "menschenverachtende,
rassistische, nationalistische und antisemitische Parolen" im Internet
entschlossen und grenzübergreifend zu bekämpfen.
BLZ Auf Webseiten wie dieser veröffentlichen
deutsche Neonazis ihr "Gedanken"-Gut und Tipps für das Auftreten im Internet.
http://www.berlinonline.de/wissen/berliner_zeitung/archiv/2000/0803/medien/0010/index.html
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